Sag den GelbenSeiten leise servus

30. Juli 2008

Diesen provokanten Titel geben Borrell Associates ihrer neuesten Studie über die Langfrist-Perspektive der gedruckten Verzeichnisse

Schön, wenn man man auf eigene Prognosen und deren Bestätigung durch den Marktverkauf verweisen kann. Deshalb beginnen Borrell Associates ihre soeben veröffentlichte Studie „Say Goodbye to Yellow Pages“ mit einem Rückblick.

Vor genau 10 Jahren – 1998 – hatten Borrell eine fast gleich betitelte Studie „Say Goodbye to Classifieds“ über den Niedergang der Kleinanzeigen in Tageszeitungen veröffentlicht. Und die tatsächliche Marktentwicklung bereitet den Verlegern von Tageszeitungen große Probleme (siehe auch meinen Beitrag Montanindustrie). Seit 2001 ist die Hälfte des milliardenschweren Budgets für Auto- und Stellenanzeigen ins Internet abgewandert. Allein im letzten Jahr ging das Kleinanzeigenaufkommen amerikanischer Tageszeitungen um 23% zurück – ein Erdrutsch, verstärkt durch die Immobilienkrise und den damit einher gehenden Rückgang der Immobilienanzeigen.

Nun also die GelbenSeiten. Zwar, so argumentieren Borrell, seien die Printumsätze der meisten GelbeSeiten Verlage der USA in der letzten Dekade noch weitgehend stabil gewesen, obwohl Suchmaschinen und Webdirectories einen enormen Aufschwung erlebten. Doch dies sei bei Tageszeitungen zunächst ähnlich verlaufen. Erst angesichts einer Rezession, wie sie nun die USA erleben, wachse der Druck auf Kleininserenten, mit dem eigenen Werbebudget sorgfältiger umzugehen. 39% der heutigen GelbeSeiten-Printumsätze werden sich in den kommenden 5 Jahren ins Internet verlagern. Schlagwortsuche, interaktive Verzeichnisse und kostengünstige Online Videowerbung machen das Internet als Werbemedium immer attraktiver.

Bis jetzt waren es vor allem die Suchmaschinen, die von diesem Trend profitierten. Doch die Traditionsmedien, nicht zuletzt die GelbeSeiten Verlage, setzen sich zur Wehr. Mit einer „Armee“ von auf die neuen Präsentationsformen ausgebildeten Vertriebsleuten jagen sie den Migrationsumsätzen nach. Mittlerweile seien fast alle Vertriebsmitarbeiter der amerikanischen Verzeichnismedien auf die neuen Werbe- und Präsentationsangebote im Internet geschult. Auch die Tageszeitungen seien diesen Weg gegangen, mit eigenen interaktiven Online-Verzeichnissen und entsprechenden Vertriebsmannschaften. Alles in allem seien derzeit 34.100 auf Onlinewerbung ausgebildete Vertriebler an der Verkaufsfront – eine Vertriebspower, wie sie kein anderes lokales Medium bietet. So nimmt es nicht wunder, dass lokale Onlinewerbung in diesem Jahr um 61% auf 14,1 Milliarden US-Dollar wächst.

In der Tat ist die vertriebliche Übermacht der auf die lokale Onlinewerbung abzielenden Traditionsmedien beeindruckend. Die Vertriebsmannschaften kommen zu

• 46% aus Tageszeitungsverlagen

• 38% aus traditionellen Verzeichnismedien

• 5% aus dem Lokal/Regionalfernsehen

• 3% aus reinen Onlinemedien

• 4% sonstige

Rund drei Jahre hätte der jetzt in den USA weitgehend abgeschlossene Transformationsprozess der Vertriebskräfte der GelbeSeiten Verlage gedauert. Nun könne effektiv für Print wie Online beraten werden. Insbesondere die preisgünstigen Bundles aus Print- und Onlineangeboten seien für Klein- und Mittelunternehmen einfach und eine überzeugende „One-Stop-Solution“. So seien die GelbeSeiten Verlage unter allen Traditionsmedien die erfolgreichsten, wenn es um die Integration digitaler Angebote ginge. Schon heute seien 14% ihrer Umsätze dem Onlinebereich zuzuordnen – andere Medien kommen im Schnitt erst auf 5%.

Der eigentliche Kampf wird jedoch zwischen reinen Online-Anbietern mit automatisierten Webangeboten einerseits und GelbeSeiten- und Tageszeitungsverlagen mit ihren riesigen Vertriebsmaschinerien andererseits entschieden. Verkaufen werden sie alle mehr oder minder das Gleiche: Interaktive Onlinewerbung – und vor allem Online Videowerbung.

Und weils so schön war, noch ein Spot zur Entspannung:

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