Onlinevideomarketing vs. Onlinevideowerbung – es fehlt an Trennschärfe!

5. Oktober 2008

Es wird Zeit, präziser zu formulieren, um ein besseres Bild vom vom Markt zu bekommen

Vermutlich ist es normal, dass neue Dinge zunächst mal mit Althergebrachtem identifiziert werden. Unser heute allgegenwärtiges Automobil wurde zunächst als “Motorkutsche” (Foto oben Daimlers Motorkutsche von 1886, Foto: Enslin) oder “Motorwagen” in die Welt gesetzt.

In der Onlinewelt verhält es sich in Sachen Videowerbung oder Videomarketing meines Erachtens derzeit ähnlich wie im Automobilbau des Vor-Vorigen Jahrhunderts. Onlinevideowerbung ist ein gern genutztes Schlagwort, und jeder (mich eingeschlossen) deutet das hinein, was ihm dazu gerade in den Kram passt.

Die in der Mediawelt dominierende Fraktion subsumiert unter Onlinevideowerbung Formate, die inhaltlich wie formal von der TV-Werbung abgeleitet sind. Gern wird argumentiert, diese müssten noch knackiger, noch schneller auf den Punkt kommend in Szene gesetzt sein. Denn wenn sie vor dem vom User ausgewählten Beitrag platziert werden (als “Pre-roll”), dann dürfe der Anwender ja nicht vergrault werden – er kann ja schließlich jederzeit wegklicken. Und auch im Nachspann eines solchen Beitrags (“post-roll”) soll der Anwender ja noch aufmerksam bleiben und nicht seine Unterhaltung stattdessen in den Weiten des Webs suchen. Dass ich diese Form der Onlinevideowerbung ungefähr so sehe wie die oben abgebildete Motorkutsche im Verhältnis zum “richtigen” Automobil – das in unserem Markt noch erst konstruiert werden muss – habe ich hier bereits mehrfach deutlich gemacht. Aber dass man diese Werbeform zurecht als Onlinevideowerbung bezeichnet, will auch ich nicht leugnen. ;-)

Doch es gibt durchaus Experten, die unter Onlinevideowerbung weit mehr subsumieren als die kurzen Clips. So haben die Kollegen vom eMarketer in einer aktuellen Studie über die zukünftige Entwicklung der Onlinevideowerbung das Feld recht weit aufgemacht:

“New models for online video advertising, such as through widgets, or new/old models, such as product placement and sponsorship, will coexist with increasing use of in-stream ads (for example, preroll), which are currently associated with traditional TV content.”

Stopp!

Nicht alles, was Bewegtbild ist und wirtschaftlichen Zwecken dient, ist gleich Onlinevideowerbung – eine solche Begriffsverwässerung nützt uns nichts. Wer den Oberbegriff sucht, sollte zu Onlinevideomarketing greifen, eine Vokabel, die Greg Sterling in seinem Blog Screenwerk schon seit geraumer Zeit nutzt.

Und gern räume ich ein, dass auch die von mir präferierten “neuen” Onlinevideoformate, die eine Mischung aus redaktioneller Berichterstattung, PR und Werbung sind, besser unter Onlinevideomarketing als unter Onlinevideowerbung zu subsumieren sind. Aber wir lernen halt noch alle dazu…

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