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Service statt Content
Randnotizen vom heute zu Ende gegangenen Zukunftskongress Forward2Business in Halle
Zwei Tage, und wieder sind alle Kongressteilnehmer zufrieden. Trotz des gestrigen Regentags konnte der normalerweise (so auch heute) open air stattfindende Zukunftskongress „Forward2Business“ von Sven Gábor Jánsky wieder seine rund 200 Teilnehmer begeistern – diesmal zum Themenkomplex Störung/Grenzverletzung mit Schlagworten wie Rulebreaker, RuleMaker und RuleTaker.
Aus dem offiziellen Programm möchte ich nur drei Beiträge ansprechen, die meine Mühlen bewässerten. Zum einen die Präsentation Harald Blumenauers, ehemals Mitglied der Geschäftsleitung von Immobilienscout24 und 2007 mit seinem Grenzverletzer-Startup „iMakler“ gestartet. Was ist daran so besonders? Immobilienvermarktung zum Festpreis: für die Lowcost-Pauschale von 995,- € nimmt iMakler Immobilien in die Vermarktung auf, inklusive Besichtigung, Bewertung, Immopräsentation und Medienveröffentlichung etc. Transparente Leistung zum festen Preis – das schätzen auch immer mehr Immobilienverkäufer (und vor allem Käufer, die dann provisionsfrei erwerben!).
Ähnlich geht die Quirin Bank vor, auf dem Kongress vertreten von Kathrin Kleinjung (Leiterin Unternehmenskommunikation). Die Bank erbringt ihre Services in der Vermögensverwaltung nicht auf Provisionsbasis – alle erhaltenen Provisionen werden an den Kunden rückerstattet – sondern auf Basis einer Kombination aus Festpreismodell (75 € pro Monat) und Erfolgsbeteiligung. Läuft das Depot des Kunden nicht, gibts keine Erfolgsbeteiligung – andere Banken verdienen an jeder noch so unsinnigen Transaktion, die sie ihren Kunden reindrücken (besonders gern gesehene Kunden sind bei solchen Old-School-Banken die sogenannten „LEOs“ – Leicht Erreichbare Opfer…).
Regelmäßige Leser meines Blogs wird meine Begeisterung für diese beiden Modelle nicht wundern, schließlich bieten auch wir Videoproduktion zum günstigen Festpreis an und brechen damit einige Regeln, die bisher in der Bewegtbildproduktion galten.
Das dritte gute Laune Statement brachte Patrick Warnking, Head of Public, Media & Entertainment bei Google Deutschland. Es lautete kurz und knapp: Unternehmen kommen an einer Videostrategie nicht vorbei. Google-Trefferlisten, die nicht mehr nur Text, sondern auch Videofundstellen anzeigten (=universal search), seien nur noch eine Frage der Zeit. Und damit gehört neben dem textorientierten Suchmaschinenmarketing auch das Videomarketing als Pflichtfach in die Unternehmens- und Produktkommunikation. Also: Aufgewacht!!!
Forward2Business ist für mich der wohl kommunikativste Kongress in Deutschland (Kompliment an Sven Gábor Jánsky und seine Mitstreiter!), deshalb möchte ich auch ein Schlaglicht auf die Diskussionen abseits der Panels in kleinen Gruppen werfen. Was ist Content noch wert? Wie müssen Contentanbieter vom Verlag bis zur Nachrichtenagentur, vom Portal bis zum Verzeichnismedium reagieren?
Meine Gesprächspartner waren sich weitgehend einig in einer eher skeptischen Beurteilung des Werts von Contents – vielleicht mit Ausnahme eines „zertifizierten“ oder auch „trusted“ contents. Aber längst sind Tweeds, Blogger und Soziale Netze schneller als Nachrichtenagenturen, in der Regel umsonst und nahezu überall verfügbar. Wie sollen dagegen Geschäftsmodelle bestehen, die oft Stunden für die Aufbereitung, und zusätzlich viele Stunden, manchmal Tage, für Druck und Distribution benötigen? Und bei denen nur ein Bruchteil der Gesamtkosten dieses Systems der eigentlichen Informationsgewinnung und -verifizierung dient?
Die einzig allgemein akzeptierte Antwort hieß: Service. Service für Leser/Zielgruppe, aber auch verbesserte, vielleicht ganz neue Services für Inserenten. So manch heilige Kuh wird dabei geschlachtet werden (Tageszeitungen müssen täglich erscheinen, Telefonbücher müssen gedruckt werden, unser Content muss uns gehören – selbst die: Information und Werbung sind grundsätzlich zu trennen). Am Ende stehen vielleicht gattungsübergreifende Medienmarken, die gleichzeitig Text und Bewegtbild, Nachricht und Nachschlagen, Zielgruppenqualifikation und Kundenansprache bieten.
Ein derartiger Umbruch erschient vielen unvermeidlich. Deshalb sollten die Traditionsmedien schnell damit beginnen, das jetzige Geschäft zugunsten eines neuen zu zerstören – sonst werden am Ende sie selbst zerstört.
Add comment 17. Juni 2009
Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser
Rückblick auf den „Forward2Business“-Kongress in Halle. Und Antworten auf die Frage: Was hat das mit Videowerbung zu tun?
Wer nicht da war, gleich vormerken für’s nächste Jahr: der zum „Ort der Ideen“ gekürte Forward2Business-Kongress in Halle. Es gibt größere, internationalere, gewiss auch bekanntere Kongresse – aber nur wenig charmantere.
Im Innenhof der historischen Burg Giebichenstein trafen rund 200 Teilnehmer aus Trendforschung, Medien, Industrie und Dienstleistungen zusammen und wagten Ausblicke und Prognosen für das Jahr 2018. Moderiert von Sven Gábor Jánszky führte eine Tour d’Horizon in neue Arbeits-, Lebens-, Medien- und Markenwelten.
Immer wiederkehrendes Leitmotiv war das Stichwort „Vertrauen“. Wie sollen Unternehmen, Marken und Institutionen in einer zusehends auf medialen Beziehungen basierenden Welt Kunden ansprechen und binden? Was ist der „Kitt“, der ein Unternehmen und sein soziales Umfeld zusammen hält?
Vertrauen. Es wurde viel darüber gesprochen, wie „Big Player“ sich darstellen und verhalten sollten – aber was macht der Laden um die Ecke? Was das kleine Ausflugshotel? Oder die Öko-Supermarktkette? Leider kamen diese Fragen im Rahmen des Kongresses ein wenig kurz. Deshalb hier mein Versuch einiger Antworten:
Keine Frage – letztlich ist die härteste Währung eines jeden Unternehmens das angebotene Produkt und die erbrachte Dienstleistung. Aber damit es dazu überhaupt kommt, sind Vorleistungen nötig – man muss Kunden ansprechen, ein eigenes Profil entwickeln, seinen Zielgruppen signalisieren, dass man ihnen genau das bietet, was sie suchen.
Und da heißt meine Antwort wieder Video. Das Medium ist reichhaltiger, vielschichtiger und persönlicher als Flyer und Website. Es bietet die Chance der Authentizität – und damit eine hervorragende Grundlage, schon vor dem ersten Kundenkontakt einen Vertrauensvorschuss zu bekommen. Der Steuerberater, der Zahnarzt, der Tischlermeister – sie alle erhalten so eine virtuelle Visitenkarte mit wirklich persönlichem Profil.
Deshalb verfechte ich Formate der Videowerbung, die ohne Sprecher auskommen. Ein Sprecher kommentiert, beschreibt, ist wieder eine zusätzliche Instanz zwischen Zuschauer und Portraitiertem. Es muss ja nicht immer der Chef sein, der vor der Kamera steht (Lampenfieber haben wir alle mal) – es kann auch ein motivierter Mitarbeiter sein, der zeigt, wie gut die Stimmung im Laden ist und dass man sich engagiert für seine Kunden einsetzt.
Wenn Vertrauen eine wesentliche Basis hat, dann ist es Engagement. Wenn Engagement ein adäquates Vermittlungsmedium hat, dann ist es Video.
Add comment 24. Juni 2008


