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Pre-Roll, Post-Roll, Middle-Roll – nix Rock’n'Roll
Warum muss Online Videowerbung genauso blöd funktionieren wie die im Fernsehen?
Wie schreibt der VDZ in seinem Handbuch Online Video-Werbung doch so schön? „Online Video Ads sind multimediale, interaktive Rich Media Ads, die durch Flash- und Streaming Technologie den Einsatz von filmischen Werbesequenzen im Internet ermöglichen.“ Um gleich darauf in die Instream-Spots (Pre-Roll, Post-Roll, Middle-Roll) und In-Banner-Videos zu unterscheiden.
Erinnert Sie das nicht an „Scharnier-“ und „Unterbrecherwerbung“? Also Formate, wie wir sie vom Fernsehen kennen? Warum die den Kollegen vom VDZ (war ja selbst jahrzehntelang Mitglied) wohl so gut gefallen?
Weil es immer das Einfachste ist, dem Neuen Attribute des Alten anzukleben. Haben sie mal die Brücke „Das blaue Wunder“ in Dresden bewundert? Bei Ihrer Eröffnung 1893 als Stahlfachwerk-Hängebrücke eine innovative, technische Meisterleistung. Aber die wurde hinter Ornamenten versteckt und mit Gestaltungselementen verbrämt, die das Radikale des Entwurfs oberflächlich abmilderten.
Und genauso kommt es mir vor, wenn Online Videowerbung in Kategorien der TV-Werbung getütet wird. Weil dann alte journalistische heilige Kühe weiter grasen können – die Trennung zwischen Redaktion und Werbung zum Beispiel. So gibt es halt auch online einerseits „Content“ und andererseits „Advertising“, um den Content zu refinanzieren. Und es gibt die etablierten Player, die nicht viel dazulernen müssen, um diese Modelle ins Internet zu übertragen: Verlage, Werbeagenturen und Hersteller.
Gewiss – solche Werbemodelle wird es geben. Aber wo bleiben die Mischformen, die ja auch bei Print- (und TV-)kollegen als „Advertorials“ die Special-Interest-Hefte füllen? Oder die oft (recht unverhohlen) Inserat und redaktionell aufgemachte Pressemitteilung des gleichen Absenders in der Fachpublikation neben einander stellen? Tut doch nicht so, als sei das alles Teufelszeug – es ist Alltag.
Die Produktion journalistischer Inhalte ist teuer, und sie wird es insbesondere mit dem Medium Video auch absehbar bleiben. Trotzdem haben – gerade im lokalen oder im Special-Interest-Umfeld – werbliche, produkt- und leistungsbeschreibende Präsentationen oft einen erheblichen redaktionellen Wert.
Und dieser Wert lässt sich häufig mit dem Medium Video besser vermitteln als auf vielen anderen Wegen. Und so entwickeln sich bestimmt schon sehr bald weit mehr Formate der Online Videowerbung, als Pre-Roll, Post-Roll, Middle-Roll. Und dann ist Rock’n'Roll!
Add comment 1. Juni 2008
Spots für alle
51 Mio. $ Funding für Spotrunner – ein Modell für Deutschland?
Spotrunner proudly presents: 51 Mio. $ Finanzierung. In den Topf geworfen u.a. von der Daily Mail, General Trust und Grupo Arnault/LVMH (die mit den vielen Luxusmarken). Was zum Teufel macht Spotrunner, dass sich die Investoren um die besten Plätze reißen? Vielleicht Online Videowerbung?
Fast. „Wir revolutionieren die TV-Werbung“ steht auf der Homepage. Und für so’n altmodischen Kram gibts so viel Knete?
Ja. Denn er ist halt überhaupt nicht altmodisch gemacht: Über die Website von Spotrunner kann der geneigte Anwender – Klein- und Mittelunternehmer vom Friseur bis zum Versicherungsvertreter – sich zunächst mal einen Standard-TV-Spot seiner Wahl herunterladen. Meist nett gemacht, auf absolut professionellem Niveau – so ‘was hätt man schon gern. Und es kostet nicht viel – Standardpreis 499 $. Mit Regionalschutz. Dafür kann man aus einem fast unüberschaubaren Fundus, fein in zwanzig Kategorien von Arts & Entertainment bis Retail sortiert, auswählen: 1920 Anzeigen (inklusive Mehrfachnennungen) bieten sich an.
Flugs ne Anzeige ausgewählt, sagen wir zum „Mother’s Day Sale“, dann darf personalisiert werden. Firmename und -logo, Telefonnummern und Website, 4 Fotos und ein Slogan oder Angebot werden per Portal in den Spot eingefügt. Für 249 $ Aufpreis kann noch mal mächtig mehr personalisiert werden – vom eigenen Voiceover bis zu individueller Schrift oder eigener Musik. Man muss kein Prophet sein, dass im nächsten Release auch noch der Videoproducer ins Haus kommt und ein bisschen individuelle Atmo und ein nettes Statement einfängt.
Wer nun stolzer Besitzer eines frisch gebackenen Fernsehspots ist, kann ihn über das System gleich auch schalten. Wieder wählt man erst eine Branche, dann definiert man seine demographische Zielgruppe. Schließlich wählt man Verbreitungsgebiet und Budget und erhält vollautomatisch seinen Sendeplan – Matching vom Feinsten.
Aber geht das auch in Deutschland?
Nö. Erstens finanziert hier kein Mensch ein Medienstartup mit knapp 40 Mio. € (Spaß beiseite). Zweitens ist der Stellenwert der Fernsehwerbung hier ein ganz anderer. Das ist nur was für die Großen (denken die Kleinen). Während in den USA lokale TV-Stationen eine ganz andere Bedeutung haben und sie den kleineren Kunden vom Autohändler bis zum Zahnarzt längst aufs Zahnfleisch gerückt sind, kriegen bei uns selbst anspruchsvolle Spartensender kaum nen Werbeplatz voll.
Genau für Spartensender, IPTV und spätestens dann, wenn die Ausspielung der Spots auch auf Websites erfolgt, dann hat Spotrunner seine Berechtigung auf dem deutschen Markt. Da mag das regionale Matching ein wenig schwerer werden – aber dann würde auch hier ein Problem gelöst, dass nach wie vor der Entwicklung einer ganzen Branche im Weg steht.
Add comment 20. Mai 2008


